Gesünder zusammenarbeiten im Home-Office – Vertrauen Sie sich.

von | Novem­ber 2020

Durch die Coro­na Pan­de­mie hat sich in vie­len Orga­ni­sa­tio­nen das Home-Office über­ra­schend und schnell eta­bliert und inzwi­schen ver­ste­tigt. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass sich die Arbeit auf Distanz lang­fris­tig zu einer neu­en Nor­ma­li­tät ent­wi­ckeln wird. Die­se Ent­wick­lung bringt mit ihrem Tem­po und ihrer Dring­lich­keit viel Ver­än­de­rung im tech­nisch-orga­ni­sa­to­ri­schen Bereich, aber auch Her­aus­for­de­run­gen für die Zusam­men­ar­beit und Mit­ar­bei­ter­füh­rung. Wie ein­zel­ne Unter­neh­men und NGOs z.B. schon vor­le­ben, sind Team­ar­beit und Füh­rungs­ar­beit auf Distanz dabei nicht unbe­dingt schwie­ri­ger als am gemein­sa­men Arbeits­platz, aber sie benö­ti­gen eine eige­ne Kul­tur der Inter­ak­ti­on und Kommunikation.

Erschwe­rend kom­men die Unsi­cher­hei­ten und Unwäg­bar­kei­ten hin­zu, denn sowohl durch die Eta­blie­rung einer Home-Office-Struk­tur als auch durch die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie fin­den in den Orga­ni­sa­tio­nen Ver­än­de­run­gen statt, deren Ent­wick­lung und Aus­gang für alle Betei­lig­ten unklar ist und auf lan­ge Sicht unsi­cher blei­ben werde.

Für die Mit­ar­bei­ten­den sind die­se Umstel­lun­gen mit Chan­cen ver­bun­den, sie sind aber auch ein Belas­tungs­fak­tor, gera­de, wenn in der Umstel­lungs- und Anpas­sungs­pha­se die Anfor­de­run­gen an die Leis­tung im Home-Office den Anfor­de­run­gen vor Ort ent­spre­chen, die tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Hand­lungs­mög­lich­kei­ten aber noch nicht die glei­che Leis­tung zulassen.

Um die Gesund­heit der Mit­ar­bei­ten­den und die Hand­lungs­fä­hig­keit der Orga­ni­sa­tio­nen in die­sem Umbruch zu gewähr­leis­ten lohnt sich ein Blick auf eine manch­mal ver­nach­läs­sig­te Tugend: Ver­trau­en. Wenn wenig ein­deu­tig und klar gere­gelt ist, bzw. nicht klar gere­gelt wer­den kann, dann dient gegen­sei­ti­ges Ver­trau­en als Leit­li­nie und Siche­rungs­seil für eine för­der­li­che Zusam­men­ar­beit aller Betei­lig­ten, auch und ins­be­son­de­re, wenn der direk­te Kon­takt fehlt.

Vertrauen ist eine Entscheidung, die Sie treffen können

Im All­tag ist der Begriff Ver­trau­en mehr­deu­tig. In sei­ner Essenz ist Ver­trau­en aber letz­ten Endes ‚nur‘ eine Ent­schei­dung. Sie kön­nen sich ent­schei­den, Ihren Mit­ar­bei­ten­den und ihren Kolleg/innen zu ver­trau­en. Damit ent­schei­den Sie sich, davon aus­zu­ge­hen, dass Ihre Mit­ar­bei­ten­den Ver­ein­ba­run­gen ein­hal­ten und ihre Auf­ga­ben im Sin­ne der Orga­ni­sa­ti­on und in Ihrem Sin­ne erle­di­gen.
Ent­schei­den Sie sich zu ver­trau­en, so schaf­fen Sie also gera­de in Zei­ten von Unsi­cher­heit und Neu-Struk­tu­rie­run­gen zumin­dest eine ver­läss­li­che Konstante.

Vertrauen kann sich auf einen begrenzten Aspekt beziehen

Ver­trau­en ist eine Ent­schei­dung, die je nach Umstand auch sehr eng begrenzt sein kann. So benö­ti­gen bestimm­te Arbei­ten inten­si­ve Doku­men­ta­ti­on und Kon­trol­le, z.B. auf­grund gesetz­li­cher Vor­schrif­ten. Auch ist für man­che Arbei­ten­de das Home-Office eine Her­aus­for­de­rung an die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on, und sie wün­schen eine eng­ma­schi­ge Beglei­tung.
Daher muss die Ent­schei­dung zu ver­trau­en nicht all­um­fas­send sein, son­dern kann sich auf ein­zel­ne Aspek­te der Arbeits­si­tua­ti­on bezie­hen. Sie kön­nen sich z.B. als Füh­rungs­kraft ent­schei­den, auf ein detail­lier­tes Tätig­keits­pro­to­koll zu ver­zich­ten und nur das Wich­tigs­te zurück gemel­det zu bekom­men. Auch kön­nen Sie sich z.B. als Team ent­schei­den, dass die Team­mit­glie­der nur in bestimm­ten, begrenz­ten Zeit­fens­tern erreich­bar sein sollen.

Vertrauen lohnt sich für alle Mitarbeitenden

Auch wenn es Füh­rungs­kräf­ten auf­grund ihrer Befug­nis­se leich­ter fal­len kann, Ver­trau­en anzu­bie­ten, so lohnt sich die Ent­schei­dung zu ver­trau­en für alle Mit­ar­bei­ten­den. In Orga­ni­sa­tio­nen fla­chen vie­le Hier­ar­chien inzwi­schen ab, und fin­den vie­le Inter­ak­tio­nen außer­halb der Hier­ar­chie, z.B. in Pro­jekt­grup­pen statt. Gera­de auf die­sen ‚infor­mel­len‘ Ebe­nen ist eine ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit wich­tig, ins­be­son­de­re, wenn sie nicht über per­sön­lich direk­ten Kon­takt erfolgt.

Vertrauen hat Folgen:

Zusam­men­ge­fasst: Ver­trau­ens­ba­sier­tes Arbei­ten schafft Res­sour­cen und Frei­räu­me für alle Betei­lig­ten und sichert so nicht nur die psy­chi­sche Gesund­heit der Ein­zel­nen, son­dern im bes­ten Fall auch die Gesund­heit und Wider­stands­fä­hig­keit der Orga­ni­sa­ti­on, gera­de in der Umstel­lung auf Home-Office.

Vertrauen ermöglicht gesunde Arbeit auf Distanz 

Denn bei Arbeit auf Distanz ent­fällt die sozia­le Kon­trol­le des gemein­sa­men Arbeits­plat­zes und wäre nur mit viel Auf­wand durch ande­re Mecha­nis­men zu erset­zen. Die­ser ‚ein­ge­spar­te‘ Kon­troll­auf­wand ermög­licht gera­de Mit­ar­bei­ten­den und Füh­rungs­kräf­ten unter Dop­pel­be­las­tung von Fami­lie und Beruf ein siche­res, gesun­des Arbeits­um­feld, durch Ent­las­tung und Flexibilität. 

Vertrauen ist gesund und stabilisiert in Krisen

Wird Ver­trau­en auch in Kri­sen­zei­ten und Zei­ten mit hohen Anfor­de­run­gen gelebt, so kön­nen die Betei­lig­ten ihre Res­sour­cen auf ihre eigent­li­chen Auf­ga­ben kon­zen­trie­ren und die­se für sich sinn­voll und stress­arm bewäl­ti­gen. Zudem wird unter die­sen Bedin­gun­gen die Arbeit eher als sinn­voll erlebt wer­den, ein Kern-Aspekt von Wohl­be­fin­den am Arbeitsplatz.

Gera­de bei Arbeit auf Distanz hat sich gezeigt, dass Men­schen in ver­trau­ens­vol­lem Umfeld mehr arbei­ten als sie müs­sen. Men­schen in einem eng kon­trol­lier­ten Umfeld arbei­ten erfah­rungs­ge­mäß mehr als für sie gesund ist. (Ein klei­ner, aber wich­ti­ger Unterschied.)

Vertrauen und Treue fördern die Zukunftsfähigkeit der Organisation durch Vielfältigkeit 

Ver­trau­en schafft Frei­räu­me, in denen jede/r eige­ne Wege zur Ziel­er­rei­chung bzw. Auf­ga­ben­er­fül­lung fin­det. Von der Orga­ni­sa­ti­on sinn­voll genutzt, sind die­se viel­fäl­ti­gen Stra­te­gien Hin­wei­se auf Ver­bes­se­run­gen und nöti­ge Ver­än­de­run­gen, die auf lan­ge Sicht die Orga­ni­sa­ti­on zukunfts­fä­hig machen.

Vertrauen verbindet

Der schrift­li­che Arbeits­ver­trag beschreibt nur sehr grob die Rech­te und Pflich­ten einer Arbeits­be­zie­hung. Erfolg und Miss­erfolg hän­gen an den unaus­ge­spro­che­nen Ver­trags­ebe­nen. Ist Ver­trau­en Teil der Arbeits­be­zie­hung, so kom­mu­ni­zie­ren Sie: „Wir erken­nen, dass wir gegen­sei­tig eigen­ver­ant­wort­lich im Sin­ne der Orga­ni­sa­ti­on tätig sein wol­len.“ Auch, aber nicht nur bei qua­li­fi­zier­ten, fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ten­den kann dies ein wich­ti­ger Aspekt einer gesun­den Arbeits­be­zie­hung dar­stel­len und die Mit­ar­bei­ter­bin­dung fördern.

Vertrauen verdient Nachfragen, gerade bei Zusammenarbeit auf Distanz

Haben Sie den Ein­druck, dass Ihr Ver­trau­en aus­ge­nutzt wur­de?
Dann lohnt sich eine ers­te wich­ti­ge Fra­ge: Woll­te oder konn­te die Per­son die Erwar­tun­gen nicht erfül­len? Ist also ein ech­ter, wil­lent­li­cher Ver­trau­ens­bruch ein­ge­tre­ten, oder sind Sie gemein­sam Opfer der Umstän­de gewor­den? Wich­tig ist auch: War die Erwar­tung klar und ver­ständ­lich kom­mu­ni­ziert? Gera­de im Moment sind vie­le (Kom­mu­ni­ka­ti­ons-) Pro­zes­se und Tech­ni­ken, die das Home-Office ermög­li­chen, noch nicht gefes­tigt, und wir sind eher als sonst den Umstän­den unter­wor­fen.
Dum­mer­wei­se nei­gen Men­schen gera­de bei Arbeit auf Distanz dazu, Feh­ler der Per­son zuzu­schrei­ben und nicht der Situa­ti­on. Da hilft nur Nach­fra­gen, mög­lichst ergeb­nis­of­fen, ohne Vorverurteilungen.

Vertrauen – ganz praktisch

In dem Moment, in dem Sie jeman­dem signa­li­sie­ren, ‚Ich ver­traue Dir‘, schaf­fen Sie einen ‚Sog des guten Bei­spiels‘, dem ande­re sehr viel lie­ber fol­gen als z.B. Anord­nun­gen. Genau­so wich­tig ist dabei jedoch, dass Sie als ver­trau­ens­wür­dig wahr­ge­nom­men werden:

Blei­ben Sie dem alt­mo­di­schen Grund­satz treu: „Was Du nicht willst das man Dir tu, das füg‘ auch kei­nem ande­ren zu.“:

  • Tref­fen Sie Ver­ein­ba­run­gen nur, wenn Sie sie auch hal­ten können.
  • Kom­mu­ni­zie­ren Sie so trans­pa­rent und emp­fän­ger­ori­en­tiert wie mög­lich. Dazu dür­fen gera­de für Füh­rungs­kräf­te der mitt­le­ren Ebe­nen auch Sät­ze wie: „Ich weiß es nicht.“ oder „Dazu kann ich (der­zeit) nichts sagen.“ gehören.
  • Ent­schei­den Sie begrün­det und erlau­ben Sie sich Fra­gen zu Ihren Entscheidungen.
  • Haben Sie Anlass zur Kri­tik, dann nut­zen Sie die Situa­ti­on für kon­struk­ti­ves Feed­back: Stimmt Ihre Wahr­neh­mung mit ande­ren über­ein? Sind z.B. die inter­nen Pro­zes­se kon­sis­tent, oder ver­lei­ten sie zu Feh­lern? Sind die Vor­ga­ben ziel­füh­rend? Haben Ihre Kol­le­gen genug Wis­sen, Erfah­rung, Aus­stat­tung oder Zeit, ihre Auf­ga­ben zu erfüllen?
  • Tole­rie­ren Sie unter­schied­li­che Mei­nun­gen. In Orga­ni­sa­tio­nen gibt es immer Span­nungs­fel­der von ver­schie­de­nen, wider­sprüch­li­chen Anfor­de­run­gen, und wir kön­nen es nicht allen recht machen.

Die Cor Coa­ching GmbH hat im Rah­men der Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung und dem Betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ment für Sie Ange­bo­te in Form von Semi­na­ren, Coa­ching und Pra­xis­be­ra­tung ent­wi­ckelt, die Sie bei der Eta­blie­rung von Home-Office, beim mobi­len Arbei­ten, ins­ge­samt also bei gesun­der Zusam­men­ar­beit auf Distanz unter­stüt­zen. Spre­chen Sie uns ger­ne an.

Unse­re Ange­bo­te für Organisationen

Das könnte Sie auch interessieren

Fachberatung für Mitarbeitende, die mit geflüchteten Personen arbeiten – bei Bedarf online und live

Wer mit geflüch­te­ten Men­schen arbei­tet, weiß, dass die The­men eine gro­ße Viel­falt zei­gen kön­nen. Fast immer sind die The­men exis­ten­zi­ell, schwer­wie­gend, und es exis­tie­ren meh­re­re Themen/Probleme zeit­gleich. Die Situa­ti­on in der Coro­na Kri­se stellt eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung für die­je­ni­gen dar, die mit Geflüch­te­ten arbei­ten. Um auch in die­ser Zeit gesund und wider­stands­fä­hig zu blei­ben bie­ten wir die Fach­be­ra­tung auch tele­fo­nisch, live-online oder mit Hil­fe von webi­na­ren und Video­kon­fe­ren­zen auf der von Ihnen bevor­zug­ten Platt­form an.

mehr lesen
Lernen von der Krise –  Resilienztraining als online-Version

Lernen von der Krise – Resilienztraining als online-Version

Noch nie waren die Inhal­te unse­res Resi­li­en­z­trai­nings “Robust in schwie­ri­gen Zei­ten” so aktu­ell wie heu­te. Wir bie­ten es zur­zeit online an. Dar­un­ter ver­ste­hen wir die gesam­te Brei­te media­ler Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten und haben hier­für eine Rei­he von acht Video­kon­fe­ren­zen für Sie vor­be­rei­tet. Die wesent­li­che Bot­schaft: Resi­li­enz ist das Ergeb­nis von geeig­ne­ten Lern­vor­gän­gen in und nach einer Kri­se. Wenn es gut läuft, geht man gestärkt dar­aus her­vor. Jetzt kommt es dar­auf an, was wir aus der Kri­se lernen. 

mehr lesen

Krise, psychische Belastung und BGM online

Das betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment steht zur­zeit vor beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen. Psy­chi­sche Belas­tung geht unmit­tel­bar ein­her mit den gesund­heit­li­chen und wirt­schaft­li­chen Risi­ken in der Coro­­na-Kri­­se. Die Ein­fluss­fak­to­ren psy­chi­scher Belas­tung müs­sen laut § 5 Abs. 1 Arb­SchG schon im Nor­mal­be­trieb ein­ge­schätzt wer­den, um Risi­ken und Gefähr­dun­gen beur­tei­len zu kön­nen. Wie­viel mehr gilt das im Grun­de jetzt!

mehr lesen

Supervision und Beratung mit anderen Formen in Zeiten von Corona aufrechterhalten

Mit Hil­fe der neu­en Medi­en erhal­ten wir trotz der Umstän­de unser Super­­­vi­­si­ons- und Bera­tungs­an­ge­bot an die Kun­din­nen und Kun­den, Super­vi­si­ons­grup­pen und Ein­rich­tun­gen sei­tens der CCG auf­recht. Die­ses Vor­ge­hen besteht auf Zeit, weil wir im Nor­mal­fall den direk­ten und per­sön­li­chen Kon­takt als zen­tra­les Ele­ment von Bera­tung sehen

mehr lesen

Homeoffice und psychische Gesundheit in Zeiten von Abstand und Isolierung

So wich­tig und unum­gäng­lich Home-Office als Mit­tel zur Selbst­iso­lie­rung und Schutz für Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in die­sen Tagen ist, stellt es doch eine beson­de­re Belas­tung für unse­re psy­chi­sche Gesund­heit dar. Dies gilt vor allem, weil die für uns so wich­ti­ge Selbst­be­stim­mung jetzt zusätz­lich stark ein­ge­schränkt ist. 

mehr lesen

Psychische Belastung

„Unter psy­chi­scher Belas­tung ver­steht man, ent­spre­chend der DIN-Norm EN ISO 10075–1, die Gesamt­heit aller erfass­ba­ren Ein­flüs­se, die von außen auf den Men­schen zukom­men und psy­chisch auf ihn ein­wir­ken. Der im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch nega­tiv besetz­te Begriff ‘Belas­tung‘ ist hier jedoch neu­tral zu sehen. Ähn­lich wie bei kör­per­li­cher Belas­tung kommt es auch bei psy­chi­scher Belas­tung erst ein­mal zu posi­ti­ven Effek­ten, bspw. Lernen.“

mehr lesen