Fachberatung für Mitarbeitende, die mit geflüchteten Personen arbeiten – bei Bedarf online und live

von | Mai 2020

Viele verschieden Berufsgruppen engagieren sich

Geflüch­te­te Men­schen sind in den letz­ten Jah­ren in der sozia­len Arbeit und der Gesund­heits­ver­sor­gung der Bun­des­re­pu­blik immer wich­ti­ger gewor­den. In Deutsch­land sind vie­le Arbeits­be­rei­che ent­stan­den, die sich auf deren Ver­sor­gung, Betreu­ung oder Bera­tung spe­zia­li­siert haben. Unter den Mit­ar­bei­ten­den gibt es vie­le Fach­kräf­te, die zusam­men mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen im Team arbei­ten, die etwas ande­res als Sozi­al- und Gesund­heits­be­ru­fe erlernt haben und die sich für die Geflüch­te­ten mit Kennt­nis­sen aus der Ver­wal­tung und der Tech­nik ein­set­zen, um nur zwei von vie­len Kom­pe­tenz­be­rei­chen zu nen­nen, die hier in inter­dis­zi­pli­nä­ren Teams zusam­men­tref­fen.

Mit Traumafolgen rechnen

Wer mit geflüch­te­ten Men­schen arbei­tet, weiß, dass die The­men eine gro­ße Viel­falt zei­gen kön­nen. Fast immer sind die The­men exis­ten­zi­ell, schwer­wie­gend, und es exis­tie­ren meh­re­re Themen/Probleme zeit­gleich. Flucht­grün­de und die Flucht selbst haben bei vie­len psy­chi­schen Trau­ma­ta hin­ter­las­sen, die sich in sozia­len und psy­chi­schen Sym­pto­men zei­gen und die Inte­gra­ti­on erschwe­ren. Gleich­zei­tig kön­nen die­se Din­ge häu­fig nicht so bear­bei­tet wer­den, wie es in unse­rer Kul­tur üblich ist. Kul­tur, damit ist auch die bis­he­ri­ge Kul­tur in Sozi­al­ar­beit und Gesund­heits­we­sen gemeint.

Wenig Routine und viel Erwartungsdruck

Gesund­heits- und Krank­heits­ver­ständ­nis sind kul­tu­rell geprägt. Das gilt auch für Selbst- und Welt­bil­der, Wer­te und Ver­hal­tens­for­men. Wir stel­len fest, dass das, was wir tun, sich häu­fig genug nicht als hilf­reich erweist, obwohl es so gemeint war. Und dass es schein­bar kei­ne Grün­de gibt, war­um es nicht klappt, außer viel­leicht man­geln­de Moti­va­ti­on, böser Wil­le oder Igno­ranz. Sol­cher Art sind die Anfor­de­run­gen der kul­tu­rel­len Dimen­si­on der Arbeit, die zusätz­lich zur sowie­so schon bestehen­den Her­aus­for­de­rung an Fach­lich­keit, Empa­thie und psy­chi­scher Belast­bar­keit bestehen. Sie erfor­dern Kul­tur­sen­si­blät, damit Kom­mu­ni­ka­ti­on gelingt und wech­sel­sei­ti­ges Ver­ständ­nis gewähr­leis­tet ist. Dabei gibt es nicht nur häu­fig gro­ße Sprach­bar­rie­ren, son­dern auch sehr unter­schied­li­che Bedeu­tungs­zu­schrei­bun­gen, die mit den Kul­tu­ren der Her­kunfts­län­der zusam­men­hän­gen. Es gibt wenig Rou­ti­ne und viel Erwar­tungs­druck. Man braucht mit sich und ande­ren viel Geduld.

Mit Verunsicherung umgehen

Ein wei­te­rer wich­ti­ge­rer Aspekt die­se Arbeits­be­rei­che, ist die eige­ne Resi­li­enz und Belast­bar­keit unter den vor­han­de­nen Her­aus­for­de­run­gen zu erhal­ten. Denn oft ist das Ver­ständ­nis für das Ver­hal­ten ande­rer erschwert. Manch­mal kann auch Unsi­cher­heit ent­ste­hen, ob das eige­ne Ver­hal­ten oder die Kom­mu­ni­ka­ti­on beim Gegen­über auch wirk­lich so ver­stan­den wer­den, wie es gemeint ist. Unsi­cher­hei­ten kön­nen auch um das Ver­ständ­nis der eige­nen Pro­fes­sio­na­li­tät ent­ste­hen. Eine Erwei­te­rung des Pro­fes­sio­na­li­täts­ver­ständ­nis­ses sowohl bei Mit­ar­bei­ten­den als auch in der Orga­ni­sa­ti­on um eine trans­kul­tu­rel­le Sicht­wei­se ist häu­fig die Fol­ge.

Situationen verstehbarer und handhabbarer machen

Um auch in solch einer her­aus­for­dern­den Arbeits­si­tua­ti­on gesund zu blei­ben, muss man dar­auf ach­ten, dass man sich selbst und ande­re zusam­men hält. Nach Aaron Anto­novs­ky ist die­se Art Kohä­renz­ge­fühl ein wich­ti­ger Fak­tor, der zu unse­rer Gesund­erhal­tung bei­trägt. Ver­steh­bar­keit, Hand­hab­bar­keit und Bedeut­sam­keit sind die Säu­len des Kohä­renz­ge­fühls. Die Bedeut­sam­keit ist im Leben von Geflüch­te­ten häu­fig völ­lig abhan­den­ge­kom­men und wir kön­nen sie ihnen auch nicht ein­fach so wie­der geben. Aber Situa­tio­nen ver­steh­bar und vor allem hand­hab­bar zu machen, das kön­nen wir, so gut es geht, tun. Es besteht berech­tig­te Hoff­nung, dass sich aus die­sem Bemü­hen dann wie­der eine neue Bedeut­sam­keit ent­wi­ckelt.

Deswegen Fachberatung

Aus die­sem Ver­ständ­nis her­aus und aus lang­jäh­ri­ger Erfah­rung mit geflüch­te­ten Kli­en­ten und Teams, die mit Geflüch­te­ten arbei­ten, bie­ten wir Ihnen Fach­be­ra­tung an. Eine Bera­tung kann dabei hel­fen, neue Kom­pe­ten­zen zu erlan­gen, mehr Ver­ständ­nis für die Kli­en­ten und für sich zu errei­chen. Sowie Lösungs­an­sät­ze und Hand­lungs­er­wei­te­run­gen zu ermög­li­chen. Unser Haupt­ziel ist aber, dass Sie im Rah­men der Arbeit gesund und wider­stand­fä­hig blei­ben, ohne abzu­stump­fen. Wir för­dern also Resi­li­enz für Teams, Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen trotz her­aus­for­dern­der Arbeit mit geflüch­te­ten Kli­en­ten.

Online in Zeiten von Corona

Die Situa­ti­on in der Coro­na Kri­se stellt eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung für die­je­ni­gen dar, die mit Geflüch­te­ten arbei­ten. In Unter­künf­ten oder Bera­tungs­stel­len wird bei­spiels­wei­se viel auf­fan­gen, aber gleich­zei­tig sind direk­te Kon­tak­te nur stark ein­ge­schränkt mög­lich. Das Tele­fon spielt eine gro­ße Rol­le. Die Arbeit ist anders, aber meist nicht weni­ger schwie­rig. Fach­be­ra­tung und Super­vi­si­on fin­den jedoch nicht oder stark redu­ziert statt. Um auch in die­ser Zeit gesund und wider­stands­fä­hig zu blei­ben, bie­ten wir die  Fach­be­ra­tung auch tele­fo­nisch, live-online oder mit Hil­fe von webi­na­ren und Video­kon­fe­ren­zen auf der von Ihnen bevor­zug­ten Platt­form an.

​​Ihre Ansprechpartnerin für die Fachberatung mit Geflüchteten

Itimad Lasfar

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